Wozu betrieblich unterstützte Kinderbetreuung?

Seit den 90er Jahren engagieren sich immer mehr Unternehmen und Institutionen für die Betreuung ihrer Mitarbeiterkinder. Der Grund: Der rechtlich garantierte Kindergartenplatz für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren mit einer Betreuungszeit bis 12 Uhr mittags reicht für eine Berufstätigkeit nicht aus. Und vor allem: Es gibt viel zu wenig Betreuungsplätze für Kinder unter 3 Jahren.

Eltern haben heute häufig ein großes Interesse daran, möglichst schnell wieder auf ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Sie wollen ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Erfahrungen nicht brach liegen lassen und den Anschluss an berufliche Entwicklungen nicht verlieren. Sie wollen finanziell auf eigenen Füßen stehen und brauchen ein eigenes Einkommen.

Firmen und öffentliche Institutionen wiederum müssen während der Schwangerschaft und des Erziehungsurlaubs auf Grund der fehlenden Betreuungsmöglichkeiten auf Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeiter verzichten. Es entstehen Lücken an Fachkompetenz und Spezialwissen in den eigenen Reihen. Manchmal sind auch wichtige Kundenbeziehungen betroffen. Eine Vertretung muss gesucht und eingearbeitet werden. Manchmal muss die Stelle auch komplett neu besetzt werden, damit der betriebliche Alltag reibungslos weitergehen kann. Das ist mit deutlichem personellem und finanziellem Aufwand verbunden: Die Neubesetzung einer höherqualifizierten Stelle kann bis zu anderthalb Jahresgehälter kosten.

Wegen fehlender Betreuungsmöglichkeiten kehren erziehende Eltern oft nicht in den Beruf zurück: Aus zahlreichen Untersuchungen ist bekannt, dass der Frauenanteil in der Altersgruppe unter 25 Jahren wesentlich höher ist als in der Altersgruppe der 25 bis 40jährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies lässt darauf schließen, dass viele der heute hoch qualifizierten jungen Frauen immer noch zu Hause die Erziehungsarbeit übernehmen. Dabei sind die ersten Jahre der Berufstätigkeit für jeden Betrieb besonders ausbildungsintensiv. Kaum ist die "Investitionsphase" zu Ende, verlassen Frauen das Unternehmen.

Wenn Eltern dann aus dem Erziehungsurlaub auf ihren gesetzlich garantierten Arbeitsplatz zurückkehren wollen, entsteht für den Betrieb weiterer Aufwand für Wiedereingliederungs- und Qualifizierungsmaßnahmen. Schon aus personal- und betriebswirtschaftlicher Überlegung versuchen Unternehmen und Institutionen daher, familienbedingte Ausfallzeiten kurz zu halten und die Fluktuation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möglichst einzudämmen.

Aber auch „weiche“ Faktoren spielen eine Rolle: Eltern, die vom zeitlichen Stress des Betreuungsmanagements befreit sind und ihre Kinder gut aufgehoben wissen, sind konzentrierter und produktiver bei ihrer beruflichen Tätigkeit. Investitionen in die Betreuung von Mitarbeiterkindern tragen dazu bei, eingespielte Teams zusammenzuhalten, sie verbessern das Betriebsklima, und sie stärken den guten Ruf des Unternehmens.


Betriebskindergarten oder betriebsnahe Einrichtung?

Am Anfang sollte eine Bedarfserhebung stehen: Wie viele Beschäftigte mit Kindern gibt es? Wie alt sind die Kinder? Sind Mitarbeiterinnen in Mutterschutz? Ist ein Elternteil in Erziehungsurlaub? Welche täglichen Betreuungszeiten werden gewünscht? Wenn diese Fragen geklärt sind, kann überlegt werden, welches Modell für den Betrieb geeignet ist.

Beim klassischen Betriebskindergarten ist das Unternehmen für Gründung und Unterhaltung der Einrichtung zuständig, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kindereinrichtung sind Angestellte des Unternehmens. Zwar übernimmt das Jugendamt eine Moderationsfunktion und erteilt auch die Betriebserlaubnis. Für die fachfremden Aufgaben und für die spezielle Gruppe von Angestellten muss jedoch Wissen aufgebaut werden. Konflikte aus der Kindereinrichtung werden oft unter Einbindung der Personalabteilung bzw. des Betriebsrats im Betrieb ausgetragen. Aus diesen Gründen wird die Trägerschaft zunehmend an externe Fachträger übergeben.

Eine betriebsnahe Betreuungseinrichtung wird durch einen anerkannten freien Träger der Jugendhilfe gegründet und geführt, beispielsweise durch einen gemeinnützigen Verein wie die „Gesellschaft zur Förderung betrieblicher und betriebsnaher Kindereinrichtungen e.V.“

Betriebsnahe Kindereinrichtungen können grundsätzlich auf öffentliche Förderung zugreifen. Bedingung dabei ist, dass der Betrieb die Investitionskosten für die neue Einrichtung übernimmt und sich an den Betriebskosten maßgeblich beteiligt. So erhalten beispielsweise betriebsnahe Kindertagesstätten in Frankfurt eine finanziellen Förderung durch die Stadt Frankfurt wie auch durch das Land Hessen.

Natürlich kann das Unternehmen auch eine innerbetriebliche Elterninitiative bei der Gründung eines gemeinnützigen Vereins als Träger der betriebsnahen Einrichtung unterstützen. Einfacher und planbarer für den Betrieb ist es jedoch, mit einem erfahrenen Jugendhilfe-Träger zu kooperieren.

Zwischen dem Betrieb und dem Träger wird ein Kooperationsvertrag geschlossen, in dem alle Einzelheiten geregelt werden. Wenn zur Finanzierung der Kindertagesstätte öffentliche Mittel eingeplant werden, muss der Vertrag mit dem öffentlichen Jugendhilfeträger abgesprochen werden, da dessen Anerkennung des Vertrages Bedingung der Gewährung von öffentlichen Zuschüssen ist.


Was kostet das?

Die Kalkulation der Kosten für eine Betreuungseinrichtung hängt von der gewünschten Platzzahl, der geplanten Öffnungszeit und vor allem dem Alter der Kinder ab.

In Krabbelgruppen für Kinder bis 3 gilt eine Obergrenze von 11 Kindern. Im Ganztagskindergarten mit Mittagsversorgung und im Hort gelten Gruppengrößen von 20 Kinder. Da Plätze für Kinder unter 3 besonders gefragt, aber auch besonders kostenintensiv sind, hat sich die Bildung von Gruppen mit breiter Altersmischung bewährt. Bei einer Gruppengröße von bis zu 18 Kindern können bis zu 6 Kinder unter 3 Jahren in der Gruppe betreut werden. Als Faustregel gilt: je jünger die Kinder, desto kleiner die Gruppe, und desto teurer der einzelne Platz.

Näheres können Sie der Beispielrechnung entnehmen.

Beispiel Kosten und Finanzierung (PDF Datei)



Weiterführende Unterstützung

Falls die innerbetrieblichen Überlegungen schon soweit gediehen sind, dass eine Gründung konkret geplant ist, erstellen wir gerne ein individuelles Konzept für Sie. Der gemeinnützige Verein „Gesellschaft zur Förderung betrieblicher und betriebsnaher Kindereinrichtungen e.V.“ hat seit seiner Gründung 1991 in Kooperation mit einer Reihe namhafter Unternehmen und Institutionen mit Sitz in Frankfurt schon viele Betreuungseinrichtungen für Mitarbeiterkinder aufgebaut und führt deren Geschäfte.